Fast jeder 2.te neue Song kommt von einer KI

MUSIK & TECHNOLOGIE

Streaming-Plattformen werden mit KI-generierten Tracks geflutet – 44 Prozent aller täglichen Uploads bei Deezer stammen bereits von Algorithmen. Spotify, Apple und Bandcamp reagieren unterschiedlich. Am 12. Juni fällt in München ein Urteil, das die Branche verändern könnte.

9. Juni 2026 | Lesezeit: ca. 3 Minuten


Fast jeder zweite neu hochgeladene Song auf Deezer stammt inzwischen von einer KI. Laut Deezer-Newsroom vom 20. April 2026 erreichen die Plattform täglich fast 75.000 vollständig KI-generierte Tracks – über zwei Millionen pro Monat, rund 44 Prozent aller täglichen Uploads. Anfang 2025 waren es noch 10.000 täglich. CEO Alexis Lanternier bezeichnete KI-Musik als längst kein Randphänomen mehr.

Alle Zahlen stammen aus Deezers eigenem Newsroom – das Unternehmen vermarktet seine KI-Erkennungstechnologie auch als Lizenzprodukt an andere Plattformen.


Was die Branche macht

Das Bild ist gespalten. Spotify hat im vergangenen Jahr über 75 Millionen Spam-Tracks entfernt und setzt auf einen neuen Spam-Filter sowie einen freiwilligen Kennzeichnungsstandard. Apple Music akzeptiert KI-generierte Musik über Distributoren, hat aber bis dato kein offizielles KI-Richtliniendokument veröffentlicht.

Den schärfsten Kurs fährt Bandcamp: Seit Januar 2026 ist Musik, die vollständig oder überwiegend von KI erzeugt wurde, auf der Plattform verboten.


Was Studien zum wirtschaftlichen Schaden sagen

Unabhängig von Plattform-PR gibt es handfeste Zahlen. Die erste globale Studie zum wirtschaftlichen Einfluss von KI auf die Musikwirtschaft, durchgeführt von CISAC und PMP Strategy, zeigt: Bis 2028 könnten 24 Prozent der Einnahmen von Musikschaffenden durch generative KI gefährdet sein. Das entspricht einem kumulativen Einnahmeverlust von 10 Milliarden Euro für Musikschaffende allein zwischen 2023 und 2028.


GEMA gegen Suno – Urteil am 12. Juni 2026

Parallel läuft die juristische Aufarbeitung. Die GEMA hatte im Januar 2025 Klage gegen den US-amerikanischen KI-Anbieter Suno beim Landgericht München eingereicht, nachdem dieser einer Aufforderung zur Lizenzierung nicht nachgekommen war. Konkret geht es um sechs bekannte Songs – darunter „Atemlos”, „Forever Young” und „Mambo Nr. 5″ – die nachweislich zum Training von Sunos KI-Modell verwendet wurden.

Das Urteil des Landgerichts München (Az. 42 O 763/25) wird am 12. Juni 2026 verkündet – mit Spannung erwartet von der gesamten Musikbranche, die den Fall als Präzedenzfall für die Lizenzierung von KI-generierter Musik bewertet.

Update

Der ursprünglich auf den 12. Juni 2026 angesetzte Verkündungstermin wurde mit Pressemitteilung 11 des LG München I vom 26. Mai 2026 aus dienstlichen Gründen verlegt. Die Entscheidung wird nun am 31. Juli 2026, 9:00 Uhr, Saal 270 im Justizpalast München verkündet.


Was das bedeutet

KI-Musik ist kein Nischenthema mehr. Sie trifft Songwriter, Komponisten und unabhängige Künstler dort, wo es wehtut: in der Geldbörse. Plattformen reagieren uneinheitlich, die Justiz zieht nach – die entscheidenden Weichen werden gerade gestellt.


Quellen: Deezer Newsroom, 20.04.2026 (Eigenaussage) | CISAC/PMP Strategy Studie, Dez. 2024 | LG München I, Az. 42 O 763/25 | Spotify, Sept. 2025 | Bandcamp, Jan. 2026